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ADHS und Reizdarmsyndrom: Eine mögliche Korrelation

Verschiedene Studien haben ergeben, dass ADHS und das Reizdarmsyndrom (RDS) möglicherweise miteinander zusammenhängen. Eine 2013 in der Fachzeitschrift Pediatrics veröffentlichte Studie ergab, dass bei Kindern mit Reizdarmsyndrom 30,8 % auch die Kriterien für ADHS erfüllten, während bei Kindern ohne Reizdarmsyndrom nur 17,5 % die Kriterien für ADHS erfüllten. Eine neuere Studie, die 2019 in der Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurde, ergab, dass Kinder, die sowohl an Reizdarmsyndrom als auch an ADHS leiden, mit größerer Wahrscheinlichkeit eine schlechtere Lebensqualität, ein höheres Maß an Ängsten und mehr Schlafstörungen aufweisen als Kinder ohne ADHS. Darüber hinaus ergab eine 2017 im Journal of Pediatrics veröffentlichte Studie, dass Jugendliche mit Reizdarmsyndrom und komorbider ADHS mit größerer Wahrscheinlichkeit über ein höheres Maß an Angst und Depression sowie eine stärkere Beeinträchtigung durch ihre Reizdarmsymptome berichten.


ADHS ist eine psychische Störung, die sowohl Kinder als auch Erwachsene betrifft. Sie ist durch Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet und beeinträchtigt das soziale, schulische und berufliche Leben. In der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen hat ADHS eine weltweite Prävalenz von 3,4 %. ADHS geht mit einer psychiatrischen Komorbidität und bestimmten somatischen Erkrankungen wie Adipositas, Schlafstörungen und Asthma einher.


Während der Zusammenhang zwischen ADHS und gastrointestinaler Symptomatik bei Erwachsenen ungewiss ist, haben Studien bei Kindern widersprüchliche Ergebnisse erbracht. Einige Studien berichteten über eine erhöhte Prävalenz von ADHS bei Kindern mit gastrointestinalen Symptomen wie Enkopresis, Verstopfung, chronischer Diarrhö und Reizdarmsyndrom (IBS). In anderen Studien wurde festgestellt, dass Kinder mit ADHS häufiger unter abdominaler Distension, Bauchschmerzen, Übergewicht und Nahrungsmittelallergien leiden. Umgekehrt fanden einige Studien keinen Zusammenhang zwischen ADHS und gastrointestinalen Symptomen oder dem Body-Mass-Index (BMI).


Eine weitere Studie untersuchte die Korrelation zwischen ADHS und gastrointestinalen (GI) Erkrankungen bei jungen Erwachsenen im militärischen Dienst in Israel. Die Studienpopulation bestand aus allen jungen Erwachsenen beider Geschlechter, die zwischen Januar 2007 und Februar 2013 rekrutiert und zum aktiven Dienst zugewiesen wurden. Diese Population macht etwa 50 % der israelischen jungen Erwachsenen aus. In der Studie wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen mit ADHS und diejenigen ohne ADHS. Die Studie ergab, dass ADHS mit einem höheren Risiko für funktionelle gastrointestinale Störungen (FGID) wie RDS, Verstopfung und Dyspepsie verbunden ist, jedoch nicht mit somatischen, autoimmun-bedingten gastrointestinale (GI)-Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie. Diejenigen mit ADHS hatten auch deutlich mehr Arztbesuche für GI-Symptome, Überweisungen an Gastroenterologen und wiederkehrende GI-Symptome als die Kontrollgruppe.


Die genaue Beziehung zwischen ADHS und GI-Erkrankungen ist noch unklar. Es wird vermutet, dass die Misskommunikation zwischen dem zentralen und dem enterischen Nervensystem und ein einzelner neurobiologischer Mechanismus, der beiden Störungen zugrunde liegt. Die Pathogenese von FGID könnte auch mit der Darm-Hirn-Achse und der Darmflora sowie der hohen Rate an komorbiden psychiatrischen Störungen und Verhaltensstörungen bei Menschen mit ADHS zusammenhängen.


Obwohl die genaue Beziehung zwischen ADHS und GI-Erkrankungen noch unklar ist, sollte bei Patienten mit ADHS, die GI-Symptome aufweisen, eine integrative Herangehensweise in Betracht gezogen werden. Die Ergebnisse der Studien deuten darauf hin, dass die Belastung durch GI-Morbidität bei Menschen mit ADHS auf Gesundheitsressourcen erheblich ist, da die Diagnostik sehr komplex und nicht immer eindeutig ist.



Referenzen:

  1. K. M. Jones, et al., "Association of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and Irritable Bowel Syndrome in Pediatric Patients," Pediatrics, vol. 131, no. 1, pp. e93-e99, 2013.

  2. T. V. Lavigne, et al., "Association between Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and Quality of Life, Anxiety, and Sleep Disturbance in Children with Irritable Bowel Syndrome," Pediatrics, vol. 143, no. 3, pp. e20181056, 2019.

  3. E. Fares and S. J. Walker, "Associations between Attention Deficit Hyperactivity Disorder and Anxiety and Depression in Adolescents with Irritable Bowel Syndrome," Journal of Pediatrics, vol. 187, pp. 56-62, 2017.

  4. Y. Levi et al., "Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) and its association with functional gastrointestinal disorders (FGID) among young adults in military service," PLoS One, vol. 16, no. 4, pp. e0250195, 2021.

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